Sankt Augustin, Juni 2010

Sehr geehrte Damen und Herren,

„Kultur haben bedeutet: Unterschiede erkennen und gelten lassen. Wer sich auf seine Kultur besinnt, findet sich gebunden in das, was vor ihm da war, und in das, was um ihn herum ist, und er räumt jedem anderen Menschen auf der Welt dasselbe Recht auf Halt in der eigenen Kultur ein: Kultur gibt innere Sicherheit und befreit da­durch auch dazu, andere auf Ihre Weise leben zu lassen, macht tolerant und frei.“ So kennzeichnete Bundespräsident Horst Köhler in seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2008 das Wesen der Kultur und ihre Wirkung auf die Men­schen, die von ihr geprägt sind.

Kulturbeziehungen stellt der „Verein für deutsche Kulturziehungen im Ausland  e. V.“ schon seit fast 130 Jahren in den Mittelpunkt seiner Aktivitäten. Natürlich ist seine Arbeit in der langen Geschichte des Vereins auch von Vorstellungen geleitet worden, die dem jeweiligen Zeitgeist entstammten. Heute jedoch geht es dem Verein um den Erhalt und die Pflege der deutschen Sprache und Kultur bei den Menschen, die in dieser Kultur ihre Identität finden. Auch in einer globalisierten Welt und ei­nem poli­tisch geeinten Europa, in dem die nationale Bedeutung der Staaten in den Hin­ter­grund tritt, bezieht die Existenz jedes Individuums seine Identi­tätsmerkmale aus sei­ner Sprache und Herkunftskultur. 

Das gilt unabhängig von der Frage, ob sie in der Heimat oder im Ausland leben, für alle Menschen. Die im Ausland lebenden Menschen haben im Vergleich zu den in ihrer Heimat wohnenden allerdings den Vorteil, die sich aus jedem Kulturvergleich ergebenden Unterschiede leichter zu erkennen und für sich zu nutzen. Dem steht der Nachteil gegenüber, dass es der eigenen Kultur schwerer fällt, der Über­macht der Kultur der Gastgeber standzuhalten und die identitätsstiftende Wirkung der Mutter­sprache zu erhalten.

Diesem Nachteil entgegenzuwirken, hat sich der VDA verschrieben, indem er ver­sucht, den deutschsprachigen Minderheiten in zahlreichen Ländern im Rahmen sei­ner Möglichkeiten zu helfen.

Es gibt sie überall in der Welt, in der Russischen Föderation, in Polen, in Rumänien, Ungarn, Tsche­chien, in der Slowakei, in Dänemark, Belgien und Italien, in den USA, in La­teinamerika, in Namibia und in Australien. Unter ihnen sind kleine Gruppen (wie in Namibia) und zahlenmäßig sehr große Gruppen zu finden (wie noch etwa 1 Million nicht ausgesie­delter Deutschen in Russland und Kasachstan oder die ca. 500.000 in Brasilien), Gruppen, die stark „folklorisiert“ und sprachlich fast völlig assimiliert sind (wie die meisten Deutschen in den USA oder in Australien), und solche, die als wirk­liche Sprachminderheiten anzu-sehen sind (wie einige deutsche Min-derheitengruppen in Argentinien und Brasilien, in Westsibirien oder in Rumänien und Ungarn); Grup­pen, die weniger als ethnisch konstituierte Minderheiten, sondern eher als reli­giös-kulturelle Sondergruppen anzu-sehen sind (wie die Ostnieder-deutsch sprechen­den Mennoniten in Paraguay, Mexiko, Belize oder in der Altai-Region Sibiriens) so­wie Gruppen, die ihre Identität neben ethnisch-kulturellen Aspekten aus einem star­ken Regionalismus ziehen (wie im polnischen Obersch-lesien oder im dänischen Südjüt­land).

Der VDA stellt seine Arbeit ganz in den Dienst aller Maßnahmen, die diesen im Aus­land lebenden Menschen deutscher Sprache und deutscher Herkunft helfen können, ihre kulturelle Identität zu bewahren. Dazu gehören im Rahmen eines Jugendaustau­sches längere Deutschlandaufenthalte von Jugendlichen aus den Siedlungsgebieten ihrer deutschen Vorfahren wie auch die Auslandsaufenthalte deutscher Schüler in fremden Ländern. Dazu gehören viele verschiedene Projekte wie Seminare, wissen­schaftliche Untersuchungen, Stipendien für angehende Deutschlehrer, Entwicklung von Unterrichtsmaterial, Unterstützung von deutschsprachigen Medien im Ausland und viele andere Aktivitäten. 

Dies alles kostet Geld, das der VDA nur aus den Beiträgen und Spenden seiner Mit­glieder und seiner Freunde aufbringen kann, die sich mit ihren Landsleuten im Aus­land solidarisch fühlen. Darum möchten wir Sie auch heute wieder bitten: Tragen Sie durch Ihre Spende dazu bei, den Angehörigen der deutschen Minderheiten im Aus­land den Erhalt ihrer Muttersprache und ihren Wiedererwerb zu ermöglichen. Denn Sprache ist das wichtigste Erkennungsmerkmal für Kultur, und Spracherwerb ist Ausbildung einer kulturellen Identität, die für jeden Menschen von existenzieller Bedeu­tung ist. – Dafür möchten wir Ihnen von Herzen danken.

Mit den besten Grüßen                                          

 

Hartmut Koschyk, MdB                                Peter Iver Johannsen

Bundesvorsitzender                               Verwaltungsratsvorsitzender

 

VDA – Verein für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland e. V.

 

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