Globus Heft 4/2007 - Themenübersicht


Editorial

Aktuelles
VDA-Jahrestagung in Wiesbaden: Deutsche Sprache und Kultur in Rumänien
Volkstrauertag in Kanada

Schulen

Ernst Hubert von Michaelis:
Deutsche Schulen in den USA
Die Deutsche Sprachschule
bei den Vereinten Nationen in New York

Geschichtliches
Vor 170 Jahren wurde die Stadt Hermann
im US-Bundesstaat Missouri gegründet

Geburtsort Jesu? Bodo Bost über
die Templersiedlung Betlehem in Galiläa
                      

Minderheiten
Martin Schmidt: Zimbern und Ladiner wollen Anschluss an Südtirol

Auswanderung
Bodo Bost über das neue Auswanderermuseum
Ballin-Stadt in Hamburg

Reise
Ulrich Uhlmann besuchte deutsche Mennoniten in Mexiko


Literatur
Ingmar Brantsch: Das Weiterleben der rumäniendeutschen Literatur. Rezension von Martin Schmidt
Aus dem VDA-Bücherangebot

Aus den Landesverbänden
Baden-Württemberg: Von Bremen nach Riga. Die Hanse als Brücke zum nordöstlichen Europa (Vortrag)
Sachsen: Südosteuropa-Forum des VDA in Dresden  

Editorial

Liebe Globus-Leser!

Das Jahr 2007 neigt sich seinem Ende zu. Für den VDA war es ein besonders arbeitsreiches Jahr. Sie haben durch den Globus immer wieder davon erfahren. Wie schon berichtet, wurde im Januar dieses Jahres ein neuer Bundesvorstand gewählt. Als wichtigstes und wohl nachhaltigstes Ergebnis dieser Wahl darf festgestellt werden, dass zwei Männer in das Führungsgremium unseres Verbandes gewählt wurden, die der mittleren Generation der 35- 45-Jährigen angehören. Bei vielen Entscheidungen in den letzten elf Monaten hat sich die fruchtbare Symbiose zwischen Altem und Neuen bereits bewährt. 2008 wird dies noch deutlicher werden.

Nach der sehr erfolgreichen VDA-Konferenz 2005 in Schloss Kalkhorst, die vom Bundesverband gemeinsam mit dem Landesverband Mecklenburg-Vorpommern ausgerichtet wurde, fand kürzlich eine weitere VDA-Konferenz in Wiesbaden, diesmal auf Einladung von Norbert Kartmann, Präsident des Hessischen Landtags und Mitglied des VDA-Verwaltungsrates, statt. Auf Beschluss des Vorstands ist die nächste Konferenz für den Sommer 2008 vorgesehen. Sie soll gemeinsam mit dem besonders aktiven Landesverband Sachsen im Raum Elbsandsteingebirge stattfinden.

Thema der Konferenz in Wiesbaden war, wie dem ausführlichen Bericht in dieser Ausgabe zu entnehmen ist, die Situation der deutschen Sprache und Kultur in Rumänien nach dem Beitritt dieses Landes zur Europäischen Union. Die Referate der aus Rumänien und hier besonders aus Siebenbürgen kommenden Sachkundigen zeigten, welch großen Zuspruch die deutsche Sprache zur Zeit dort hat. Beachtlich auch die Anerkennung, die die deutsche Minderheit von staatlicher Seite erfährt. Ganz sicher ist dies auch auf die kluge Politik des Deutschen Forums, der wichtigsten politischen Vertretung der Minderheit zurückzuführen. Der in zwei Wahlen erfolgreiche Oberbürgermeister von Hermannstadt, Klaus Johannis, ist dafür der deutlichste Beweis. Mag auch die Zahl der Angehörigen der deutschen Minderheit auf Grund der Auswanderung besonders nach Deutschland vor allem nach dem Ende der kommunistischen Diktatur beträchtlich abgenommen haben, für die in ihrer siebenbürgischen Heimat oder im Banat Zurückbleibenden scheint die Existenz als Deutsche für die Zukunft gesichert. Der VDA wird auch in Zukunft alles tun, um die Deutschen in Rumänien zu fördern und zu unterstützen.

Ein besonderer Schwerpunkt in der Arbeit des VDA war auch im Jahr 2007 wieder der Jugend- und Schüleraustausch. 308 junge Menschen aus unterschiedlichen Ländern, davon allein 220 aus Chile, kamen in diesem Jahr nach Deutschland und lebten bis zu einem halben Jahr in deutschen Gastfamilien. Als „Botschafter“ gehen sie in ihre Heimatländer zurück. Sie haben ihre daheim erlernten deutschen Sprachkenntnisse erweitert, haben den Alltag in einer deutschen Familie erlebt und erfuhren, was junge Menschen in Deutschland bewegt. Nun kehren sie an die Schule in ihrer Heimat zurück und machen Mitschüler neugierig, auch einmal nach Deutschland zu fahren. Längst sind die jungen Chilenen, Argentinier oder Namibier, die am Jugendaustausch teilnehmen, nicht mehr ausschließlich Nachkommen deutscher Einwandererfamilien. Aber sie sind an deutscher Sprach und Kultur interessiert, besuchen  eine deutsche Schule, die damit ihre Existenz erhalten kann. Deshalb bleibt auch im kommenden Jahr der Jugendaustausch die wichtigste Aufgabe des VDA.

Ich wünsche Ihnen ein gutes und erfolgreiches Jahr 2008 !
Ihr
Wolfgang Egerter
Stellv. VDA-Bundesvorsitzender

 

VDA-Jahrestagung in Wiesbaden

VDA-Jahrestagung in Wiesbaden

Hochrangige Vertreter der deutschen Minderheit in Rumänien diskutierten mit VDA-Mitgliedern über die Stellung der deutschen Sprache und Kultur nach dem EU-Beitritt des Landes

Der prächtige Festsaal des Hessischen Landtages in der Landeshauptstadt Wiesbaden bildete den Schauplatz und würdigen Rahmen der VDA-Jahrestagung am 24. November. Bundesvor­sitzender Hartmut Koschyk MdB hatte leider aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absa­gen müssen. Staatssekretär a.D. Wolfgang Egerter, stellvertretender VDA-Bundesvorsitzen­der, hieß kurz nach 11 Uhr die aus ganz Deutschland angereisten Gäste willkommen. Beson­ders herzlich begrüßte er den Hausherrn, Landtagspräsident Norbert Kartmann MdL Kart­mann, der Mitglied im VDA-Verwaltungsrat ist, hatte die Tagung im Hessischen Landtag möglich gemacht. Egerter dankte ihm für die großzügige Gastfreundschaft. Er freute sich, zwei wichtige Vertreter der deutschen Minderheit in Siebenbürgen in Wiesbaden begrüßen zu können: Dr. Zeno-Karl Pinter, Unterstaatssekretär in der Kanzlei des Premierministers und damit offizieller Vertreter der rumänischen Regierung, und Frau Christine M. Klemens, Gene­ralschulinspektorin in Hermannstadt und Kreisrätin für die deutsche Minderheit in Siebenbür­gen. Rumäniens Botschafter in Berlin, Bogdan Mazuru, ebenfalls eingeladen, hatte leider ab­sagen müssen.

 

Interesse für Siebenbürgen wächst

 

Erfreulich sei, dass Siebenbürgen in letzter Zeit von der deutschen Öffentlichkeit stärker als bisher wahrgenommen werde, hob VDA-Vize-Bundesvorsitzender Wolfgang Egerter hervor. Auch in den Medien sei es in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Gründe seien unter anderem Hermannstadts Rolle als „Kulturhauptstadt Europas 2007“ und Rumäniens neue EU-Mitgliedschaft. Zugleich aber müsse man der Tatsache ins Auge sehen, dass die Zahl der Deutschen in Rumänien in den letzten Jahrzehnten drastisch zurückgegangen sei. Heute seien nur noch etwa 60.000 Deutsche in Rumänien ansässig, 1930 seien es noch rund 700.000 gewesen, so Egerter. Landtagspräsident Norbert Kartmann berichtete, das Thema Deutsche Minderheit sei in Rumänien, aber auch in Ungarn, sehr aktuell. Das habe er auf Rei­sen dorthin immer wieder feststellen können, sagte Kartmann. Er sei selbst siebenbürgischer Abstammung, verriet der Landtagspräsident. „Ich erinnere mich noch gut, wie ich 1961 zum ersten Mal meine Großmutter in Mediasch besucht habe.“

 

Im Namen der rumänischen Regierung begrüßte Unterstaatssekretär Dr. Zeno-Karl Pinter die Tagungsteilnehmer. Der VDA leiste „wichtige Arbeit“, unterstrich er. „Ich wünsche Ihnen dabei viel Erfolg!“ Heiterkeit rief Pinter hervor, als er von Begegnungen mit ahnungslos-ver­wunderten deutschen Politikern berichtete. ‚Sie sprechen ja erstaunlich gut Deutsch’, be­komme er von solchen Leuten gelegentlich zu hören. „In solchen Fällen antworte ich: ‚Sie aber auch!’“, erzählte Pinter und erntete fröhliches Gelächter. Einen Teil seines interessanten Vortrags widmete er dem Zusammenhang von Wirtschaft und Sprache. Zur Zeit der Industri­alisierung sei in Siebenbürgen und dem Banat Deutsch für alle dort lebenden Volksgruppen „lingua franca“ gewesen. Heute sei das Englische im Begriff, diese Stelle einzunehmen. Doch in Rumänien seien Österreicher und Deutsche die größten ausländischen Investoren. „Eine Umfrage hat ergeben, dass sie auch deshalb gern nach Siebenbürgen kommen, weil es hier deutsche Kindergärten, Schulen, Zeitungen, Radio- und Fernsehsender, Theater und Kirchen gibt“, berichtete Pinter. Dadurch falle es ihnen leichter, ihre Familien mitzubringen. „Sie fühlen sich wohler und leben sich schneller ein.“ Im Vergleich mit anderen Ländern biete die deutsche Sprache Rumänien deshalb einen wirtschaftlichen Standortvorteil.

 

Lehrer gehen lieber in die Wirtschaft

 

Frau Christine Klemens sprach über die Struktur des rumänischen Schulwesens und die Per­spektiven der deutschen Schulen, die auch von vielen rumänischen Schülern gern besucht werden. Denn mit guten Deutschkenntnissen eröffnen sich ihnen bessere Ausbildungs- und Berufschancen. Ein sich deutlich abzeichnendes Problem sei aber die künftige Ausbildung von Grundschullehrern und Erziehern, so die erfahrene Pädagogin, die selbst ein Lehreraus­bildungsinstitut geleitet hat. Seit dem EU-Beitritt müssten auch sie ein Universitätsstudium absolvieren. „Danach aber wollen viele nicht mehr Erzieher oder Grundschullehrer werden, sondern gehen lieber gleich in die Wirtschaft“, erklärte Frau Klemens. Lehrer verdienten zu schlecht und ließen sich deshalb gern von deutschsprachigen Unternehmen abwerben. Doch die Referentin konnte auch von Fortschritten berichten. So gebe es ein neues Lehrbuch „Ge­schichte und Traditionen der deutschen Minderheit“, das sich sowohl bei Lehrern als auch bei Schülern großer Beliebtheit erfreue. Auch neue Lehrpläne seien entwickelt worden. Frau Klemens hob besonders positiv das Programm zur Entsendung von Lehrern aus Deutschland und Österreich hervor. „Wenn ein deutscher Lehrer in die Schule kommt, sprechen Schüler und Lehrer auch untereinander Deutsch, auch in den Pausen“, berichtete die Referentin. Auch was Unterrichtsmethoden und Lehrmaterial angehe, bringe ihre Anwesenheit Fortschritte. „Das deutsche Schulwesen ist eine ganz wichtige Voraussetzung dafür, dass die deutsche Sprache und Kultur in Rumänien erhalten bleibt“, lautete das Fazit von Christine Klemens.

 

„Hermannstadt in Siebenbürgen – Europäische Kulturhauptstadt 2007“ hieß der Vortrag des jungen Historikers Dr. Gerald Volkmer, der an der Universität Heidelberg das Siebenbürgen-Institut leitet. Volkmer, selbst noch in Kronstadt geboren und einige Jahre zur Schule gegan­gen, lieferte einen profunden und materialreichen Einblick in die siebenbürgische Geschichte, bevor er sich dem eigentlichen Thema widmete. Hermannstadt sei eigentlich „auf dem abstei­genden Ast“ gewesen, so der Referent. Es habe nur wenig Hoffnung auf Besserung gegeben. „Doch dann kam alles ganz anders“, so Volkmer. „Ein ehemaliger Physiklehrer vom Bru­kenthal-Gymnasium, Klaus Johannis, hat als neuer Bürgermeister die Stadt umgekrempelt.“ Mit seinem Engagement und Optimismus habe er die Einwohner angesteckt. Davon werde Hermannstadt noch lange profitieren.

 

Beim gemeinsamen Mittagessen im nahegelegenen Ratskeller mit bayrischer Küche wurden die Gespräche an den Tischen fortgesetzt und eifrig Visitenkarten ausgetauscht. Am Nach­mittag sprach Dr. Octavian Nicolae über aktuelle Aspekte des Deutschunterrichts in Rumä­nien. Danach moderierte Gustav Binder, Studienleiter der Akademie Mitteleuropa in Bad Kis­singen, die Diskussion der Tagungsteilnehmer mit den Referenten. Im Mittelpunkt standen die Themen Schule und Lehrerausbildung in Siebenbürgen und das Verhältnis der deutschen Minderheit zum rumänischen Staat. Gegen 16 Uhr ergriff noch einmal Staatssekretär a.D. Wolfgang Egerter das Wort. Er dankte den Referenten der VDA-Jahrestagung für ihre infor­mativen Beiträge, den Teilnehmern für ihr Kommen und wünschte allen eine gute Heimreise.

 

                                                                                                                           Frank Schüttig

Südosteuropa-Forum des VDA in Dresden

Deutsche Geschichte zwischen Donau und Karpaten

Die alljährlichen Foren des VDA-Landesverbandes Sachsen haben eine gute Tradition. Fachautoren und Vertreter deutscher Minderheiten geben hier einem großen Interessentenkreis Einblicke in die Geschichte und Gegenwartssituation der Deutschen, die in anderen Ländern als Minderheiten leben. In diesem Jahr war das Forum den Deutschen in Südosteuropa gewidmet und stand unter dem Motto „Zwischen Donau und Karpaten. Deutsche Geschichte im Südosten Europas“.

Kolonisten kamen auf Einladung des Königs

Zum Auftakt der Veranstaltung sprach Prof. Dr. Karl-Heinz Schlarp, der bis 2006 als Inhaber des Lehrstuhls für Zeitgeschichte Osteuropas an der TU Dresden gewirkt hat. Der Experte für Nationalitätenprobleme stellte die mittelalterliche und neuzeitliche deutsche Besiedlung des südöstlichen Europa als Teil der deutschen Ostsiedlung dar. Einen ersten Höhepunkt erlebte sie im 12. Jahrhundert durch die später so benannten „Siebenbürger Sachsen“, die auf Einladung des ungarischen Königs kamen. Aber auch östlich von Elbe und Saale brachten die Siedler die in Westeuropa geläufigen wirtschaftlichen, rechtlichen und sozialen Lebensformen mit. Im 18. Jahrhundert wurde der Ruf nach „Kolonisten“ nicht nur in überseeischen Regionen lauter, sondern auch im östlichen Europa. Für neuzeitliche „Ostsiedler“ setzte sich bald die Bezeichnung „Schwaben“  bzw. „Donauschwaben“ durch. Von Ungarn aus kam es zur so genannten „Sekundärkolonisation“. Schwäbische Bauern und Bergleute zogen weiter in die Balkanländer: nach Kroatien, Slowenien und Bosnien sowie in die Gottschee und Krain, aber auch nach Bessarabien und in die Dobrudscha.

Trotz einzelner Widerstände entwickelten sich über die Jahrhunderte friedliche Beziehungen bis hin zum Zusammenwachsen von Deutschen und Einheimischen. Doch spätestens zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde all das, was sich in 1000 Jahren deutscher Ostsiedlung entwickelt hatte, durch den Nationalsozialismus und den Stalinismus zunichte gemacht. Nach 1990 versuchten die Restminderheiten verstärkt, als Spätaussiedler nach Deutschland zu kommen. Das Rad der Geschichte kann nicht zurückgedreht werden, doch Deutschland und Österreich können heute gemeinsam mit ihren östlichen Nachbarn an einer offenen europäischen Kultur arbeiten, die etwas von dem alten Geist grenzüberschreitender Kultur mit ihrer Vielfalt atmet – so das Resümee von Prof. Schlarp.

Ungarn: Minderheitengesetz läßt Wünsche offen

Es folgte ein Referat von Otto Heinek (Budapest), der seit vielen Jahren als Vorsitzender der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen tätig ist. Der oberste Repräsentant der ungarndeutschen Minderheit sprach über die Geschichte seiner Volksgruppe, gab aber vor allem einen Einblick in die heutige Situation der Ungarndeutschen und umriss ihre Zukunftsperspektiven. Ende des 18. Jahrhunderts betrug die Zahl der Deutschen im damaligen Ungarn mehr als eine Million. Sie betrachteten das Land schnell als ihre Heimat. In Ofen, Pest, Ödenburg und Fünfkirchen entwickelten sie eine blühende städtische Kultur. Die Sozialdemokratie hat sich in Ungarn durch die deutschsprachige Arbeiterschaft verbreitet. Die Assimilationspolitik, die Ende des 19. Jahrhunderts einsetzte und nicht nur die Ungarndeutschen betraf, verdrängte den Einfluss des deutschen Bürgertums. Es kam zur „Namens“-Magyarisierung und zum Druck auf Eltern, ihre Kinder auf ungarische Schulen zu schicken. Den Folgen staatlicher Assimilationspolitik versuchte sich der im Jahre 1924 gegründete Ungarländische Deutsche Volksbildungsverein entgegenzustellen. Viele Deutsche hielten die Erfüllung ihrer Forderungen nur mit Hilfe des Dritten Reiches für möglich. So wurden sie schnell zum Spielball zwischen Hitlerdeutschland und Horthy-Ungarn – und nach dem Krieg zum Sündenbock.

Zum Ende des Krieges wurden 30.000 bis 40.000 Deutsche in die Sowjetunion verschleppt. Viele haben die Sklavenarbeit nicht überlebt. 1946 begann auf Betreiben der ungarischen Regierung die „Aussiedlung“ von rund 200.000 Ungarndeutschen nach Deutschland, eine Entscheidung, bei der man sich auf die Potsdamer Konferenz berief. Die zurückgebliebene Volksgruppe wurde entrechtet und enteignet. Deutsch zu sprechen war verboten. Erst Mitte der 1950er Jahre machte der ungarische Staat wieder bescheidene Zugeständnisse. In den 1970er Jahren entwickelte sich die Pflege deutscher Volkskultur, es gab jetzt wieder zweisprachige Schulen, ein deutsches Theater und eine ungarndeutsche Literatur. Der erste ungarndeutsche Verein gründete sich 1985. Die politische Wende 1990 war mit vielen Hoffnungen, aber auch Enttäuschungen verbunden. 1993 wurde ein Minderheitengesetz verabschiedet, das viel Positives brachte, aber auch manche Wünsche offen ließ. So gibt es bis heute keine Vertretung der Deutschen im Parlament.

Innerhalb der Volksgruppe ist durch die historische Zäsur und die langjährige destruktive Politik ein „Generationenloch“ entstanden. Eines der größten Probleme ist die Förderung der Muttersprache. Oft führt die schwierige finanzielle Situation in kleinen Gemeinden zur Schließung von Kindergärten und Schulen. Dadurch wird vor allem dem Muttersprachenunterricht geschadet. Pädagogische Hilfe aus den deutschsprachigen Ländern könnte das Problem mildern helfen, denn der Verlust der Sprache bedeutet mit der Zeit auch den Verlust der Identität. Viele Mundarten werden die heutige Zeit ohnehin nicht überleben.

Diesem realistischen, eher düsteren Zukunftsbild kann aber auch eine optimistische Grundhaltung der Ungarndeutschen entgegengesetzt werden. Es wird diese Volksgruppe weiterhin geben, so Heinek, denn Totgesagte leben nicht nur länger, sie sind auch vitaler, als man annimmt.

Siebenbürgen: Rundgang durch Hermannstadt

Im dritten Referat behandelte Martin Eichler aus München das Thema „Hermannstadt – Zentrum der Siebenbürger Sachsen und Kulturhauptstadt Europas 2007“. Als Fotograf und Inhaber des „Bilderdienstes Siebenbürgen“ reist Eichler mehrmals im Jahr nach Rumänien. In seinem reich bebilderten Vortrag führte er das Publikum in die südosteuropäische Stadt, die in diesem Jahr in aller Munde ist: Hermannstadt, die über 800 Jahre alte Metropole der Siebenbürger Sachsen. Heute leben hier 170.000 Menschen, davon sind allerdings nur noch 1,6 Prozent Deutsche.

Obwohl die Siebenbürger Sachsen nur noch eine kleine Minderheit bilden, stellen sie seit dem Jahr 2000 mit Klaus Johannis den Bürgermeister von Hermannstadt. Martin Eichler berichtete von seinen Begegnungen mit dem rührigen Mann, der 2004 mit fast 90 Prozent der abgegebenen Stimmen wiedergewählt worden ist. Seit Johannis sein Amt angetreten hat, sind viele Investoren aus Deutschland und Österreich in die Stadt gekommen, wächst der Tourismus und ist die Altstadtsanierung vorangeschritten. Dass Hermannstadt zusammen mit Luxemburg zur „Kulturhauptstadt Europas 2007“ ernannt wurde, hat dem wirtschaftlichen Aufschwung zusätzliche Impulse gegeben.

Bei seinem virtuellen Rundgang durch die Stadt stellte Martin Eichler den Besuchern des VDA-Forums die wichtigsten historischen Gebäude vor, so unter anderem das spätgotische Rathaus, das barocke Brukenthal-Palais, das eine bedeutende Bibliothek beherbergt, und die „Lügenbrücke“ – ein Bauwerk aus Gusseisen. Im Bild gezeigt wurde auch die evangelische Stadtpfarrkirche, die im 14. Jahrhundert erbaut worden ist. Von hier hat das ZDF eine Woche nach dem VDA-Forum einen Fernsehgottesdienst übertragen.  

Zum Abschluss des Forums wies der Vorsitzende des VDA-Landesverbandes Sachsen, Peter Bien, darauf hin, dass der Verband  2008 den 125. Jahrestag seiner Gründung feiern kann. Das Jubiläum soll mit einer Festveranstaltung begangen werden. Der Wortlaut der Vorträge von Prof. Dr. Karl-Heinz Schlarp und Otto Heinek kann auf der Internetseite des VDA-Sachsen www.vda-sachsen.de unter der Rubrik „Projekte“ nachgelesen werden.

                                                                         Gert Bürgel
 
                                                                        (unter Mitarbeit von Peter Bien)

  

Deutsche Schulen in den USA

Von Ernst Hubert von Michaelis

Die Vereinigten Staaten von Amerika waren und sind ein Vielvölkerstaat. Die Freihei­ten sind enorm, das gilt auch in der Etablierung von Bildungseinrichtungen, die zusätz­lich zum englisch/spanischsprachigen Unterricht auch muttersprachlich deutschen Un­terricht anbieten.

In der Zeit der Masseneinwanderung im 19. Jahrhundert war es üblich, dass besonders die deutschen Einwanderer deutsche Schulen gründeten, besonders auch im Zusammen­hang mit der Gründung katholischer und protestantischer Kirchengemeinden. Diese Schulen waren ursprünglich muttersprachlich Deutsch, aber zunehmend später auch bi­lingual. So gab es 1881 bereits 1000 deutsche Schulen mit 160.000 Konfessionsschülern in den USA. Von den 15 Millionen amerikanischen Schülern erlernen 1900 mindestens eine Million Deutsch. Eine Zählung des Deutsch-Amerikanischen Lehrerbundes im Jahr 1900 ergibt, dass über 500.000 Kinder in der Grundschule Deutschunterricht haben. Davon besuchen 42 % öffentliche Schulen, etwa 33 % katholische, 16 % lutherische Schulen, die übrigen verteilen sich auf evangelische und private Anstalten. 25.000 Schüler nehmen 1897 in 70 Schulen in New York am Deutschunterricht teil, dagegen nur etwa 4.500 Schüler in 11 Schulen am Französischunterricht. Es gibt im Jahr 1902  63 Deutschlehrer an den staatlichen Schulen New Yorks, im Vergleich dazu nur 12 Französischlehrer.

Seit dem Ersten Weltkrieg: Deutsch als Fremdsprache

Leider erfuhr das Schulwesen einen deutlichen Einbruch mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges und fand weder Unterstützung noch Anerkennung in der Zeit einschließlich des Zweiten Weltkrieges bis 1945. Deutsch wurde und wird seit diesem Zeitpunkt nur als Fremdsprache in den Staats­schulen angeboten, aufgrund der privaten Initiative vieler Eltern, die ihre Identität zur deutschen Sprache und Kultur nicht missen wollen, wurden private Deutsche Sprach­schulen gegründet.

Die meisten dieser Sprach­schulen organisieren sich in einem Dachverband, der German Language School Confe­rence (GLSC), der sehr enga­giert die Etablierung der Sprachschulen in den USA betreibt. Besonders werden hier Eltern sowie Zielgruppen unterstützt, die private Sprachschulen gründen wollen. Gleichzeitig steht die Abstimmung des Lehrmaterials für die Lehr­kräfte in Bezug zu den pädagogischen Normen in den USA und Deutschland im Vor­dergrund. Durch die Sprachschulen werden Kinder im Vorschulalter sowie Heranwach­sende und Erwachsene angesprochen.

Kindern ihre Muttersprache erhalten

Insgesamt gibt es 46 Sprachschulen, die als Mitglieder dem Dachverband angehören, im Bundesstaat Illinois existieren sieben, in Michigan und New Jersey jeweils fünf. Zwei Sprachschulen gibt es im Bundesstaat North Carolina, davon die Deutsche Schule Charlotte, die 1974 mit dem Ziel gegründet wurde, „deutsch sprechen­den Kindern die Muttersprache zu erhalten und ihre Sprach- und Kulturkenntnisse zu erweitern“. Dazu werden an 32 Samstagen von August bis Mai eines  Schuljahres je­weils von 09:30 – 12:00 Uhr folgende Unterrichtsthemen angeboten: mündlicher und schriftlicher Ausdruck, Gram­matik und Rechtschreibung, Lesen und Leseverständnis, Geschichte und Geografie, Kultur und Literatur. Weiterhin wird ein Sommercamp von zwei Wochen angeboten. Die Schülerzahl liegt im Durchschnitt zwischen 110 – 120 Studenten, und reicht von Kindern ab drei Jahren bis Erwachsene. Das Kollegium umfasst zwölf Lehrer, vier Assistentinnen und die Leiterin Sigrid Belluz.

Das Budget wird zu 57 Prozent vom Schulgeld finanziert, 20 Prozent umfassen Firmen­spenden, weitere 20 Prozent sind Zuwendungen des Auswärtigen Amtes in Berlin. Am Beispiel der Deutschen Sprachschule in Connecticut muss ein Unterrichtsgeld bei einem Teilnehmer von $ 595,00 jährlich bezahlt werden, bei vier Teilnehmern aus einer Familie je $ 375,00. Insgesamt werden landesweit 6.000 Schüler unterrichtet, eine enge Zusammenarbeit mit den jeweils zuständigen Konsulaten existiert, darüber hinaus auch mit deutschen Unter­nehmen, die in der jeweiligen Region agieren. Diese Unternehmen unterstützen teil­weise mit erheblichen finanziellen Beiträgen die Angebote der örtlichen Samstagsschu­len.

Brieffreundschaften mit deutschen Schülern

Fast alle Lehrkräfte sind muttersprachlich Deutsch. Ursprünglich waren die Studenten sehr stark am Deutschen als Muttersprache oder als bevorzugte Fremdsprache orientiert, das hat sich aber in den letzten Jahren erheblich geändert, dazu Frau Belluz: „Heute sind wir im wahrsten Sinne des Wortes ein kultureller Schmelztiegel und haben in den letz­ten Jahren Schüler aus mehr als 20 verschiedenen Nationen unterrichtet. Unter anderem auch aus Bosnien, Polen, Island, Venezuela, Südafrika usw. Die Motivation liegt im We­sentlichen darin, dass ein Partner bzw. ein Elternteil muttersprachlich Deutsch orientiert ist. Der Unterricht wird lebens- und praxisnah gestaltet. Es gibt keine Langeweile samstagmorgens!“ Ein großer Erfolg waren die Lesungen der deutschen Kinderbuchautorin Karin Guendisch aus ihren Büchern. Gleichzeitig werden Brieffreundschaften mit deutschen Schülern geschlossen.

Interessant ist auch die Motivation von Klaus Radicke, Deutsche Sprachschule West­wood. Er lebte seit Jahren in den USA, war dann aber freudig überrascht, als seine Tochter ihm folgendes erklärte: „Ich bin es satt, dass ich nicht verstehen kann, was meine Großeltern mir sagen und Du übersetzt ja doch immer nur die Hälfte. Ich will Deutsch lernen.“ So gelingt es besonders in gemischtsprachigen Familien das Interesse für die Deutsche Sprache zu wecken. Gerade hier setzt der Dachverband der German Language School-Conference an, ein positives Image der deutschen Sprache und Kulturwerte soll vermittelt werden. Gleich­zeitig werden die Interessen der Mitgliedsschulen nach außen vertreten, insbesondere in Bezug zu den pädagogischen, verwaltungsmäßigen, rechtlichen und sozialen An­forderungen.

Unterricht am Samstag

Die wesentlichen Ziele bleiben ein flächendeckendes Angebot soweit wie möglich an privaten deutschen Sprachschulen dort zu etablieren, wo Nachfrage entsteht. Alle Mit­gliedsschulen sollen in die Lage versetzt werden, die deutsche Sprache auf allen Leis­tungsstufen zu vermitteln. Gleichzeitig soll der Respekt gegenüber amerikanischen Staatsbürgern deutscher Abstammung gefördert werden. Dazu ge­hören aber auch Freizeitaktivitäten, Sommerprogramme für Kinder und andere Formen der Geselligkeit, die die Vermittlung von Kompetenz im Deutschen als Muttersprache bzw. bevorzugte Fremdsprache ermöglichen. Die Bundesregierung unterstützt über den Etat der auswärtigen Kulturpolitik ebenfalls diese private Bürgerinitiative in den USA.

Die emotionale Weichenstellung für die deutsche Sprache bleibt die wichtige Rolle, insofern sie bereits bei Teilnehmern in den Kindergärten geweckt wird, wird auch die Sprachentwicklung des betroffenen Teilneh­mers dadurch unterstützt.

Die Sprachschulen werden auch Samstagsschulen genannt, da der Unterricht jeweils an den Samstagen stattfindet. Auf jeden Fall wollte man ausgeschlafene Kinder für die Sprachvermittlung gewinnen. Man kann sich aber auch die Überredungskünste der El­tern vorstellen, die ihren Kindern den zusätzlichen Schulbesuch zu der Regelschule je­weils an Samstagen nahe legen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Regelschulen meistens ihre Sportprogramme an Samstagen anbieten. Damit können die betroffenen Kinder, die die Samstagsschulen besuchen, wichtige soziale Kontakte zu ihren üblichen Schulfreunden nicht pflegen.

Verwandte in deutschsprachigen Ländern

Eine repräsentative Umfrage unter den teilnehmenden Sprachschulen hat folgende inte­ressante Ergebnisse gebracht: 33 Prozent der 456 befragten Schüler sind Erwachsene, 14 Prozent Jugendliche im Alter zwischen 13 und 18 Jahren, 40 % der Befragten sind zwischen 7 und 12 Jahre, die restlichen sind unter 6 Jahre. Besonders die letzte Alters­gruppe wird in besonderen Spielgruppen gefördert. Interessant ist auch die Sprachfähig­keit der Schüler, etwa 64 Prozent sind bereits bilingual Deutsch und Englisch, 20 Pro­zent monolingual Englisch, 10 Prozent sind trilingual Deutsch, Englisch und eine wei­tere Sprache. Dieses Ergebnis macht deutlich, dass ein großer Teil der Schüler der Sprachschulen in Elternhäusern aufwachsen, wo Englisch und Deutsch regelmäßig ge­sprochen wird. Im Wesentlichen verfügen alle Schüler über Grundkenntnisse in Deutsch, einen großen Teil kann man als Fortgeschrittene bezeichnen, einen kleinen Teil als Muttersprachler.

Knapp 30 Prozent der Schüler stammen aus Elternhäusern, wo beide Elternteile mutter­sprachlich deutsch sind. Etwa 14 Prozent stammen aus gemischtsprachigen Elternhäu­sern (deutsch/englisch), fast 40 Prozent aus reinen englischsprachigen Haushalten.

Etwa 21 Prozent der Befragten reisen regelmäßig (einmal im Jahr) ins deutschsprachige Ausland. 82 Prozent der Befragten geben an, zahlreiche Verwandte in deutschsprachi­gen Ländern zu haben. Damit wird deutlich, dass das Interesse an den Sprachschulen in dem Bemühen liegt, für die regelmäßigen Kontakte in das deutschsprachige Ausland eine höhere Sprachkompetenz zu erlangen. Trotzdem wird man aber die Mehrheit der Studenten zu der Gruppe der Fremdsprachenlernenden zählen müssen, das bedeutet, dass sie nicht Deutsch als bevorzugte Fremdsprache bzw. Mutter­sprache erlernen werden.

Familienerbe pflegen und erhalten

Diese Befragung stellte auch ein besonderes Motivationsprofil der Schüler in den Vor­dergrund. Für etwa 70 Prozent ist das zusätzliche Erlangen von Sprachkompetenz bzw. die Erhaltung der deutschen Sprache der besondere Motivationsfaktor. Da Mehrfachan­gaben gemacht werden konnten, haben etwa 65 Prozent angegeben, dass sie ein großes Interesse besitzen, mit deutschsprachigen Freunden oder Verwandten kommunizieren zu können. Die Hälfte der Schüler will über die Sprache hinaus auch deutsche kulturelle Werte kennen lernen bzw. eine vertiefende Wissensvermittlung erlangen. Knapp 30 Prozent planen bereits einen schulischen bzw. universitären Aufenthalt in einem deutschsprachigen Land, wahrscheinlich werden mit dieser Zielgruppe Personen er­reicht, die aufgrund des beruflichen Aufenthaltes der Eltern nur zeitweise in den USA bleiben. Weniger als 20 Prozent machten ihre Eltern für ihren Besuch an der Sprach­schule verantwortlich und nahmen eher eine passive Haltung ein. Insbesondere wurden auch die Erwachsenen befragt. Hier gab es zusätzliche Motivati­onsgründe, 75 Prozent gaben ihre familiären Bindungen in ein deutschsprachiges Land als Grund der Teilnahme an einer Sprachschule an, knapp 60 Prozent ( Mehrfachnen­nungen waren möglich) wollen ihr deutsches Familienerbe pflegen und erhalten, fast die Hälfte nimmt deshalb am Sprachunterricht teil, weil gleichzeitig ein eigenes Kind die­selbe Sprachschule besucht.

Eine Sprachschule ist mehr als eine Schule im klassischen Sinne. Deshalb wird eine größere Breite des Bildungsangebotes notwendig, weil auch die Zielgruppe über das Alter eines Kindes und Heranwachsenden geht. Auf der anderen Seite müssen die Lehr­kräfte nicht nur pädagogische Kenntnisse über die deutsche Sprache haben, sondern auch in der Lage sein, aktuelle Informationen über deutschsprachige Länder zu vermit­teln.

Nähe zur deutschen Kultur

Nun noch einmal zu den so genannten kulturellen Werten, die auf Interesse stoßen. 77 Prozent von ihnen gaben an, dass sie auch im Alltagsleben eine Nähe zur deutschen Küche haben, weitere 72 Prozent (Mehrfachnennungen waren möglich) lesen selbst und mit ihren Kindern zusammen Bücher in deutscher Sprache, 63 Prozent schauen regel­mäßig deutsche Filme oder auch das deutsche Fernsehprogramm, was über Kabel in den USA regionenweise angeboten wird. Diejenigen Familien, die über keinen Kabelan­schluss für deutsche Programme verfügen, behelfen sich mit DVDs oder Videos in deutscher Sprache. 60 Prozent der Befragten feiern regelmäßig deutsche Festtage wie Fasching oder Weihnachten, 57 Prozent geben an, deutsche Musik zu genießen, vor allem Klassik, 54 Prozent der Befragten kaufen Produkte, die sie mit Deutschland ver­binden, fast 35 Prozent lesen regelmäßig Zeitungen bzw. Zeitschriften in deutscher Sprache, weniger als 20 Prozent besuchen deutsche Kirchen, dann überwiegen nur zu Heiligabend mit deutscher Predigt. Über 95 Prozent gaben an, dass die Sprachschulen und ihre Absolventen, die sich für die Pflege des kulturellen Erbes in Bezug zu Deutschland einsetzen, dabei keine negativen Folgen im Zuge der Integration in die amerikanische Gesellschaft annehmen.

Ein weiterer Gegenstand der Befragung war die so genannte Identitätsfrage in Bezug zu den ethnischen Gruppen in den USA. 14 Prozent der befragten Familien bezeichneten sich als mehr deutsch, 31 Prozent fühlen sich gleichmäßig als deutsch und amerika­nisch, der größte Teil von ihnen, etwa 43 Prozent, legten Wert auf ihre größere ameri­kanische Identität. Eine vergleichbare Befragung der Lehrkräfte ergab, dass diese eine höhere deutsche Identität in den USA haben als ihre Schüler.

Neben einem sehr breiten Bildungsangebot aufgrund der großen Divergenz in Alter und Sprachver­mögen der Zielgruppen und den dadurch bedingten weit gefächerten pädagogischen Kenntnissen der Lehrer, vermittelt eine Sprachschule auch ein modernes Deutschland­bild und bietet neben traditionellen Werten aktuelle Informationen über die deutsch sprechenden Länder an. Diese Schulen sind wichtige Multiplikatoren und Kulturträger. Sie stärken die transatlantische Freundschaft wie es sich das Auswärtige Amt nicht besser wünschen kann.


Quellen:       Kathleen Opoku, PROFILE DEUTSCHSTÄMMIGER HERITAGE LEARNERS IN DEN SAMSTAGSSCHULEN DER USA,
Bachelor-Abschlußarbeit im Fach Angistik/Interkulturelle Germanistik,
Universität Bayreuth 2006
Helbich, W. , Briefe aus Amerika, Verlag C.H.Beck, München, 1988
Cronau, Rudolf, Drei Jahrhunderte Deutschen Lebens in Amerika, Berlin, 1909
Viereck,L., German Instructions in Americsan Schools, in Report of the US-Commissioner of Education 1900-1902, Washington D.C., 1902
Zeitschrift „Deutscher Tag“, Herausgeber Vereinigte Deutsche Gesell­schaften der Stadt New York anl. der 25. Jahrfeier, New York, 1927

 

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