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Liebe Leserin, lieber Leser!
„Deutsch bewegt.“ Unter diesem Leitwort trafen sich vom 3. bis 8. August 2009 rund dreitausend Fachleute aus 116 Ländern zur „XIV. Internationalen Tagung der Deutschlehrerinnern und Deutschlehrer (IDT) in Jena und Weimar. 1.300 Beiträge der Konferenzteilnehmer waren im Arbeitsprogramm angekündigt.
Die Medienberichte spiegeln ein widersprüchliches Bild der deutschen Sprachentwicklung. Einerseits finden wir die Einschätzung vor allem deutscher Germanisten in dem Zitat „Die deutsche Sprache blüht, wächst und gedeiht“ wieder (Prof. Dr. Rudolf Hoberg in Die Welt vom 13.8.2009). Andererseits nahmen die ausländischen Deutschlehrer kein Blatt vor den Mund: Die Präsidentin des Internationalen Verbandes der Deutschlehrer (IDV), Prof. Dr. Helena Hanuljaková (Pressburg/Slowakei), forderte die deutschen Politiker auf, im Ausland öfter deutsch zu sprechen. Wenn sie bei offiziellen Anlässen im Ausland nicht ihre Muttersprache benutzten, schadeten sie der deutschen Sprache im Wettbewerb der Sprachen. Es sei für sie unverständlich, wenn sie von der Deutschen Botschaft eine englische Einladung bekomme. Die deutsche Sprache werde in Osteuropa ohnehin mehr und mehr durch Englisch verdrängt. Auch eine koreanische Dozentin sprach davon, wie deprimierend es sei, dass selbst die koreanisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen kein Plus für die deutsche Sprache bedeuteten. Deutsche Firmen in Korea würden vorrangig Englischkenntnisse verlangen. Welche Erkenntnis können die Deutschlehrer in ihre Heimatländer mitnehmen, die sie und ihre Schüler oder Studenten motiviert? Wie glaubwürdig ist eine Politik, die im Ausland für die deutsche Sprache wirbt und selbst diese Sprache zu oft vermeidet, zunehmend sogar im eigenen Land?
In Deutschland gibt es eine sich verstärkende Tendenz, Deutsch in mehr und mehr Lebensbereichen durch Englisch zu ersetzen. Baden-Württembergs Ministerpräsident Oettinger hatte dies 2005 im Rundfunk offen zum politischen Ziel erklärt: „Deutsch bleibt die Sprache der Familie, der Freizeit, die Sprache, in der man Privates liest – aber, Englisch wird die Arbeitssprache.“ Mehrere Gesetze unterstützen seit einigen Jahren die Abkehr vom Deutschen. Als Beispiel sei das Wertpapierprospektgesetz von 2005 genannt, mit dem Englisch als Kapitalmarktsprache in Deutschland zugelassen wurde. „Erforderlich ist ein deutliches Zeichen an alle europäischen Marktteilnehmer, daß ihre Prospekte nicht notwendigerweise auch in der deutschen Sprache zu erstellen sind…“ – die englische Fassung genüge, hieß es in der Stellungnahme des Bundesrats (BT-Drucksache 15/5219). Hinsichtlich „des Sprachenproblems“, ergab die Beratung im Finanzausschuss des Bundestags, „solle man nicht einen Rückschritt im internationalen Umfeld machen, sondern sich in die Reihe der international player stellen“. Die deutsche Sprache wurde als „Standortnachteil“ dargestellt, die Finanzbranche drohte mit Abwanderung ins Ausland, Arbeitsplätze stünden auf dem Spiel. Der Deutsche Bundestag verabschiedete das Gesetz einstimmig.
In vielen Studiengängen an deutschen Hochschulen wurde Englisch mittlerweile zur Lehrsprache, ein Großteil der deutschen Wissenschaftszeitschriften nimmt nur noch englischsprachige Arbeiten an.
Daß unter diesen Umständen eine Bürgerinitiative wie der „Verein Deutsche Sprache e.V.“ vehement einfordert, die Landessprache im Grundgesetz zu verankern und damit unter den Schutz des Bundesverfassungsgerichts zu stellen, ist geradezu unerlässlich. Als Laienbewegung vielfach verspottet, finden deren Forderungen inzwischen auch gewichtige Unterstützer. Der Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio antwortete auf die Frage nach einer möglichen Verfassungsergänzung: „Ein solcher Satz wäre kein Fehler. 1949 war die deutsche Sprache in einem kulturell vergleichsweise homogenen Staat noch völlig unbestritten. Heute könnte das nicht nur aufgrund von Einwanderung anders sein, sondern auch wegen der Tendenz zur Selbstaufgabe der deutschen Sprache durch die Eliten des Landes.“ (Rheinische Post vom 28.1.2009).
Wir wollen im VDA den Blick auf das Ausland lenken und die Sichtweise unserer ausgewanderten Landsleute und weiterer Freunde unserer Kultur und Sprache erfahren. Lassen wir zunächst einen Feuerbacher Auswanderer zu Wort kommen, der aus Dallas in Texas, USA, an die Stuttgarter Zeitung schrieb (10.7.2009):
„Was mor am moischda weh duad isch das faschd koinor me richdig schwaebisch koa noi noi i ben koi aldor Daggl abor wenne hoim kom en mai Schwabalendle mechde gern so reda wia mors mai Muador glernd hoad. Wachad mal uff!“
Nachdem Sie die unverfälschte Klangfarbe des Schwäbischen genießen konnten, folgt hier ein Übersetzungsversuch: „Was mir am meisten weh tut, ist, daß fast keiner mehr richtig schwäbisch kann. Nein, nein, ich bin kein alter Dackel, aber wenn ich heimkomme in mein Schwabenland, möchte ich gern so reden, wie es mir meine Mutter beigebracht hat. Wacht einmal auf!“
In diesem Sinne, herzliche Grüße,
Ihr
Dr. Wolfgang Betz
Stellv. Bundesvorsitzender des VDA
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Rund um den Globus
Deutsche Sprache
Macht und Ohnmacht der Sprache
Ruf aus Togo: Lerne Deutsch und werde was!
Deutsche Sprache in Togo
Berufs- und regionalsprachliches Deutschlernen im Verbund
Stand und Perspektiven der Spracharbeit der "German Language School Conference" in den USA
Minderheiten
Die politische Interessenvertretung und gesellschaftliche Präsenz deutscher Minderheiten in Ostmitteleuropa - Chancen und Perspektiven
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Jugend
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Mein Auslandsaufenthalt in Namibia
Schule
Meine Zeit in der Otjiwarongo-Gemeinschaftschöne und wichtige Monate in meinem Leben
Die Erhaltung der deutschen Kultur und Sprache - 75 Jahre Pestalozzi-Schule, Buenos Aires, Argentinien
Literatur
Lesebriefe und Briefe an den VDA
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