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Liebe Leser, liebe Freunde! "Wer aufbricht, der kann hoffen..." heißt es in einem Lied, das auch die Stimmung auf den Auswandererschiffen früherer Jahrhunderte beschreiben könnte. Der Text entstand in einer Zeit, in der sich große gesellschaftliche Umwälzungen in Deutschland schon abzeichneten. Er spricht den Menschen Mut und Zuversicht bei ihren Fragen zu: Wie wird es weitergehen? Wie werden wir unseren Weg finden?
Sicher hätte er auch die Auswanderer angesprochen, die wir Ihnen in dieser Ausgabe näher vorstellen wollen: Den Stadtgründer Hermann Blumenau und die in Südbrasilien sich ansiedelnden Familien, die unter unsäglichen Schwierigkeiten einen neuen Anfang wagten. Oder Hermann Burmeister, der in seiner Wahlheimat Argentinien "trotz Dornen und dürren Zweigen den ergiebigen Boden für eine fruchtbringende Tätigkeit" fand. Und schließlich Hermann Ehrenberg, "ein Mann ohne Gesicht" - von dem zwar kein Bild überliefert ist, der aber mannigfaltige Spuren in Arizona und Kalifornien hinterließ.
Dass die drei den Vornamen gemeinsam haben, ist Zufall. Nicht dagegen sind es die gemeinsamen Wurzeln in einem geschichtsträchtigen deutschen Kernland: Wir sahen uns für diese Ausgabe des GLOBUS gezielt im heutigen Bundesland Sachsen-Anhalt um und fanden - wenig überraschend - faszinierende Persönlichkeiten und Spuren in alle Welt. Unsere regelmäßigen Leser wissen, dass der GLOBUS Sie neugierig machen möchte, auch diese Region selbst zu bereisen und zu erleben. Jahrtausende alte Geschichte hat dort ihre Spuren hinterlassen, sie hat aber auch selbst die Geschichte Europas mit geprägt - wie der "Export" des Magdeburger Stadtrechts zeigt. Die Weltkulturerbestätten in Sachsen-Anhalt sind nur die herausragenden Beispiele für den kulturellen Schatz dieses Landes: die Altstadt, das Schloss und die Stiftskirche Quedlinburgs, das Bauhaus Dessau-Wörlitz und schließlich die Luthergedenkstätten in Wittenberg und Eisleben. Hier, in der Umschau im Ursprungsland der Reformation, wollen wir auch die Aufmerksamkeit auf die evangelischen Minderheitenkirchen in der Welt lenken. Viele von Ihnen führen ihre Entstehung auf deutsche Auswanderergemeinschaften zurück und stehen demnach heute vor der Herausforderung des Sprachwandels oder - vor allem in Osteuropa - der Aussiedlung der sie tragenden Gemeindeglieder. Dass auch ein Halberstädter fern der Heimat den Namen Martin Luther ehrenhalber verliehen bekam, ist eine ganz andere, aber tolle Geschichte!
Kehren wir zu unserem eingangs zitierten Lied zurück: Am 4. August 1989 wurde es in einem Traugottesdienst in Eisenach in der DDR zum ersten Mal gesungen. Ein Gast des Brautpaars hatte es gedichtet und als Geschenk mitgebracht, Klaus Peter Hertzsch aus Jena. Die Menschen nahmen die verteilten Liedzettel mit nach Hause, in ihre Kirchengemeinden, auf die Friedensgebete des Herbstes 1989. So fand es rasch Verbreitung, und nach der deutschen Wiedervereinigung wurde es in das neue Gesangbuch der evangelischen Gemeinden in Deutschland, Elsass-Lothringen und Österreich aufgenommen. Dort ist es unter Nr. 395 zu finden:
"Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist, weil Leben heißt: sich regen, weil Leben wandern heißt..."
Ein Hochzeitslied somit ursprünglich, wie es auch die anhaltische Prinzessin Sophie mit auf ihren Weg hätte nehmen können, als sie 1744 aus Zerbst aufbrach, um in Sankt Petersburg den russischen Thronfolger zu heiraten. Für die Geschichte der Russlanddeutschen wurde ihr späteres Wirken von überragender Bedeutung.
Es ist aber nicht in erster Linie der Rückblick auf die reichhaltige Geschichte, sondern vielmehr das Leitmotiv "Wir verbinden Menschen", welches uns veranlasst, auch in Sachsen-Anhalt einen Landesverband des "Vereins für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland e.V." ins Leben zu rufen. Machen Sie mit. Wir freunen uns auf Sie!
Herzliche Grüße, Ihr
Dr. Wolfgang Betz
Inhalt Aktuelles
Sachsen-Anhalt - Zum Geleit
- Das Magdeburger Stadtrecht und seine Bedeutung für den europäischen Osten
- Zerbst - eine kleine anhaltische Stadt schrieb große Geschichte
- Hermann Blumenau - Ein Leben für Brasilien
- Hermann Burmeister - "Dem Kühnen gehört die Welt"
- Pionier im Elfenbeinturm?
- Hermann Burmeister in Argentinien
- Evangelische Minderheitenkirchen - Glauben verbindet
- "Martin Luther" die Haut gerettet
- Deutsche "Sprachinsel" Namibia
- Hermann Ehrenberg - Ein Mann ohne Gesicht
- Ehrenberg - eine Pionierstadt am Colorado River
- Die "Amerika-Linie" durch die Altmark
VDA-Fotowettbewerb
Jugend - Meine tolle Zeit in München
- VDA-Briefmarkentauschbörse
Lesebriefe und Briefe an den VDA
Argentinien - Die "Gauchos" des Korporierten-Stammtisches "La Portena" zu Besuch bei den echten Gauchos auf der Estancia LA ISABELLA in der Provinz Córdoba
Bücher
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