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Aktuelles Glückwünsche: Prof. Hartmut Fröschle und Dr. Rolf Sauerzapf feierten 70. Geburtstag
Minderheiten Bodo Bost:Ovidiu Gant – Aus dem Banat nach Straßburg
Jugendaustausch Helena Niedermeier über ihre Reise nach Chile
Schulen Dorothea S. Michelman stellt die Deutsche Schule Washington vor
Spurensuche Michigans Möbelhaupststadt: Deutsche Tischler in Grand Rapids
Reisebericht Ulrich Uhlmann: Im Lande der Donauschwaben. Zu Gast in einem ungarndeutschen Dorf mit langer Tradition
Große Auslandsdeutsche Washingtons Heeresreformator Friedrich Wilhelm von Steuben vorgestellt von Hartmut Fröschle
Deutsche Sprache Initiative Deutsche Sprache veranstaltet „Deutsch-Olympiade“
Reportage Ines Eifler: Das „Märchen von Schloss Lomnitz“. Familie von Küster kehrte ins Riesengebirge zurück
Bücher Harald Roth: Hermannstadt – Kleine Geschichte einer Stadt in Siebenbürgen (Bodo Bost)
Geschichtliches Rolf Sauerzapf: Franz Xaver Mitterer, Hans Steinacher und Karl Götz – drei Väter der deutschen Volkstumsarbeit
Aus den Landesverbänden
Leserbriefe
Liebe GLOBUS-Leser,
die vorige GLOBUS-Ausgabe beschäftigte sich schwerpunktmäßig mit dem Thema „Mecklenburg-Vorpommern und die Auslandsdeutschen“. Die Idee dazu hatte VDA-Vorstandsmitglied Dr. Wolfgang Betz aus Schwerin, der sich mit ganzer Kraft für das Gelingen eingesetzt hat. Dass das Ergebnis auf Zustimmung gestoßen ist, zeigen die Zuschriften, die wir von Ihnen erhielten und über die wir uns sehr gefreut haben. Was Umfang, Gestaltung und Inhalt betrifft, soll die „Mecklenburg-Ausgabe“ einen Maßstab für künftige Hefte bilden. Ein Manko bleibt freilich das nach wie vor sehr geringe Anzeigenaufkommen, das unseren Produktionskosten enge Grenzen setzt. Wer Anregungen hat, wie man dieses Problem beheben könnte, möge sich bitte mit uns in Verbindung setzen.
Woran es nicht mangelt, sind interessante Themen und fleißige Autoren. Einer von ihnen ist Prof. Hartmut Fröschle, Vorsitzender des VDA-Landesverbandes Baden-Württemberg. Er hat jetzt seinen 70. Geburtstag gefeiert, wozu wir ihm herzlich gratulieren. In dieser Ausgabe stellt Ihnen Fröschle Friedrich Wilhelm August von Steuben vor, der 1730 in Magdeburg geboren wurde und es in Amerika bis zum Generalinspekteur des Heeres von George Washington brachte. Der bei Offizieren und Mannschaften gleichermaßen beliebte Preuße und Reformer schuf eine disziplinierte, schlagkräftige Armee. Seinem Andenken ist die alljährliche Steuben-Parade der deutschamerikanischen Klubs in New York gewidmet. In den nächsten GLOBUS-Ausgaben werden wir Ihnen weitere „Große Auslandsdeutsche“ vorstellen.
Dr. Rolf Sauerzapf, Mitglied des VDA-Verwaltungsrats, beglückwünschen wir ebenfalls herzlich zum 70. Geburtstag. Vor dem von Fröschle geleiteten VDA-Arbeitskreis Stuttgart hat Sauerzapf einen Vortrag über „Franz Xaver Mitterer, Hans Steinacher und Karl Götz – drei Väter der deutschen Volkstumsarbeit“ gehalten und die drei verdienstvollen Männer gewürdigt. Wir wollen Ihnen seine Ausführungen nicht vorenthalten und dokumentieren den Vortrag in der Rubrik Geschichtliches (S. 24-26).
Das Riesengebirge mit der Schneekoppe und Ferienorten wie Krummhübel, Schreiberhau oder Spindlermühle ist mit dem EU-Beitritt Polens und Tschechiens noch näher gerückt, längere Wartezeiten an den Grenzen gehören der Vergangenheit an. Nicht nur für Berliner und Sachsen sind die höchsten und schneereichsten Berge Mitteleuropas nördlich der Alpen ein beliebtes Reiseziel. Elisabeth und Ulrich von Küster sind noch einen Schritt weiter gegangen. Sie haben Schloss Lomnitz, den alten Besitz der Familie von Küster im idyllisch gelegenen Hirschberger Tal, zurückgekauft. Das völlig heruntergekommene Schloss wurde von Grund auf saniert. Es beherbergt heute ein vor allem von vertriebenen Schlesiern und ihren Kindern gern besuchtes Hotel und eine deutsch-polnische Begegnungsstätte. Ines Eifler hat sich von Elisabeth von Küster das „Märchen von Schloss Lomnitz“ erzählen lassen. Lesen Sie ihre Reportage über ein ungewöhnliches Abenteuer (S. 18 –19).
Ulrich Uhlmann berichtet für uns aus der donauschwäbischen Gemeinde Schomberg in Süd-Ungarn, wo rund zwei Drittel der Einwohner Deutsche sind. Die Schomberger pflegen ihr kulturelles Erbe. Es gibt einen deutschen Liederkranz, eine deutsche Kindertanzgruppe, eine Jugendblaskapelle und einen Senioren-Gesangsverein. Die deutsche Sprache erfreue sich aber auch bei jungen Ungarn großer Beliebtheit, stellt Uhlmann fest. Seinen Reisebericht, den ich Ihnen ebenfalls besonders empfehlen möchte, finden Sie auf Seite 12 bis 13.
Mir bleibt noch, Ihnen eine anregende und interessante Lektüre zu wünschen.
Herzlichst Ihr Frank Schüttig Chefredakteur
Friedrich Wilhelm August von Steuben (1730-1794):
Washingtons Heeresreformator Von Hartmut Fröschle
Einem preußischen Offizier aus niedrigem Adel sollte vom Schicksal vergönnt sein, in Rußland und Amerika Taten zu vollbringen, die weltgeschichtliche Folgen hatten: Friedrich Wilhelm August von Steuben, der als Sohn eines Ingenieur-Kapitäns am 15. September 1730 in Magdeburg geboren wurde. Durch seinen Vater schon früh mit dem Soldatenleben bekannt gemacht, trat er mit 17 Jahren als Fahnenjunker in das Regiment von Tauentzien ein. Im Siebenjährigen Krieg wurde er in der Schlacht bei Prag schwer verwundete; genesen, hatte er in der Avantgarde der preußischen Armee wesentlichen Anteil am Sieg bei Rossbach. Im Corps des verwegenen Generalmajors von Mayr erlernte Steuben die Führung und den Einsatz der leichten Infanterie und der beweglichen Plänkler, militärische Kenntnisse, die er dann erfolgreich in Amerika nutzte.
Als Adjudant des Generals von Hülsen wurde er bei Kunersdorf abermals verwundet. Bei einem Ausfall aus dem Lager bei Bunzelwitz nahm er an der Einnahme des Klosters Golgowka teil, einem Husarenstreich, bei dem 1900 Gefangene gemacht wurden. Danach mußte sich aber die Brigade Knobloch, der Steuben angehörte, einer starken russischen Übermacht ergeben; die Offiziere konnten erreichen, daß die Truppe abziehen dufte und nur die Offiziere in Gefangenschaft gehen mußten. Zu ihrer Überraschung wurden sie vom russischen Grenzkommandanten freundlich empfangen; später erfuhren sie, daß die Zarin Elisabeth gestorben war und ihr Nachfolger, Zar Peter III., ein Bewunderer Friedrichs des Großen, Frieden mit Preußen schließen wollte. Es galt aber, die preußenfeindliche Zarin Katharina, Peters Gattin, umzustimmen. Bei dieser diplomatischen Aufgabe sollte dem gut aussenden, klugen und liebenswürdigen Steuben eine zentrale Rolle zufallen. Da sein Vater auf Entsendung des preußischen Königs Kronstadt befestigt und den russischen Offizieren kriegwissenschaftlichen Unterricht erteilt hatte, hatte Steuben als Kind Russisch gelernt, was ihm jetzt in Sankt Petersburg sehr von Nutzen war.
Als Freiwilliger nach Amerika
Aufgrund einer unglücklichen Liebesgeschichte, die mit einem Duell und einer nachfolgenden Degradierung verbunden war, nahm Steuben seinen Abschied aus der Armee, bekam aber vom König sein Adjudanten- und Kapitänsgehalt bis zum nächsten Dienstantritt weiterbezahlt. Zehn Jahre lang war Steuben dann Hofmarschall beim Fürsten von Hohenzollern-Hechingen, mit dem er viele Reisen unternahm, darunter eine mehrjährige nach Frankreich. Hier wurde er nach Aufgabe seines ihn langweilenden Postens vom Diplomaten St. Germain für den amerikanischen Freiheitskampf erwärmt und beschloß, als Freiwilliger nach Amerika zu ziehen, obwohl ihm der amerikanische Agent Benjamin Franklin keinen Posten anbieten konnte, ja nicht einmal seine Überfahrt bezahlen wollte, so daß der begüterte Beaumarchais mit finanzieller Hilfe einspringen mußte. Friedrich der Große billigte Steubens Entschluß und schrieb ihm: "Helfen Sie den wackeren Kolonisten für Unabhängigkeit, Gerechtigkeit und Ordnung. Es würde Uns freuen zu hören, daß Sie Ihrem alten Lehrmeister und König Ehre machen, obwohl wir dessen versichert sind."
„Die halbe Armee unbekleidet“
Mit einem kleinen Stab fuhr Steuben auf der "Flamand" in 66 Tagen über den Ozean und traf am 1. Februar 1777 in Portsmouth ein, wo er von General Langdon festlich begrüßt wurde. In Briefen an den Kongreß und den Oberbefehlshaber George Washington bot der Preuße seine Dienste an und bat nur für sich und seine Stabsoffiziere um Übernahme der Unterhaltungskosten. Washington ernannte Steuben zum Generalinspekteur der Armee und gab ihm damit den Oberbefehl über die gesamte Ausbildung. Dieser traf die amerikanische Armee in einem desolaten Zustand an und schrieb an einen Freund: "Es spricht für die Festigkeit meines Entschlusses, daß ich nicht gleich beim ersten Anblick der Truppen meinen Plan aufgab. Alles was unpraktisch, die Bewegung hemmend, peinlich und pedantisch war, hatte man mit großem Geschick von der englischen Armee übernommen und mit der Verwirrung und den Eifersüchteleien des Revolutionsheeres vermischt. Da waren die endlosen, sich stundenlang ausdehnenden Paraden, ein unverantwortlich umfangreicher Wachdienst, die Truppen durch Abgabe von Offiziers- und Beamtenburschen um die Hälfte geschwächt. Der größte Teil der Offiziere kümmerte sich - ganz nach englischem Muster - nicht im mindesten um Ausbildung und Verpflegung ihrer Mannschaften. Dazu ein kompliziertes Kriegskommissariat - gleichfalls nach englischem Muster, eine Menge hochgestellter Beamter, die von ihrem Wirkungskreis keine Ahnung hatten, betrügerische Lieferanten - daher die halbe Armee unbekleidet - keine Schuhe, ohne Waffen, tage- und wochenlang kein Fleisch, kein Brot, keine Fourage! Wir haben hier bei der kleinen Armee mehr Kommissare als alle europäischen Armeen zusammen."
Beliebt bei Offizieren und Mannschaften
Mit preußischer Präzision und Zielstrebigkeit reorganisierte Steuben das Exerzieren, die Manöver, die Waffenpflege, das Verpflegungs-, Finanz- und Buchführungswesen u.a.; durch regelmäßige Inspektionen gewöhnte er die Soldaten an Ordnung und schuf eine disziplinierte, immer schlagkräftigere Armee. Das "Steuben Reglement" oder "Blaubuch" wurde gedruckt und den Soldaten zur Verfügung gestellt. Als neuen Truppenteil gründete er die sehr erfolgreiche "leichte Infanterie", die dann in den Kriegen von 1792 bis 1815 auch in Europa Fuß faßte. Trotz der Strenge des Reglements war der Generalinspekteur bei Offizieren und Mannschaften beliebt, da er immer mit gutem Beispiel voranging. Nach der Niederlage von General Gates im August 1780 bei Camden wurde Steuben dem neuen Oberbefehlshaber der Südarmee Greene als Generalinspektor zugeteilt und hatte die Aufgabe, Virginia als Nachschubbasis zu organisieren. Dabei hatte er immer wieder riesige Schwierigkeiten zu überwinden. Die Rekrutierung war schwer zu bewerkstelligen, da sich die Freiwilligen nur für eine bestimmte Zeit verpflichteten und oft nach Ablauf ihrer Dienstpflicht auch bei drohender Gefahr einfach nach Hause gingen. Desertionen, Mangel an Subordination, Diebstahl, mangelnde Kooperation der Bauern waren an der Tagesordnung.
Als die französischen Hilfstruppen endlich eingetroffen waren und Washington sich mit seiner Hauptstreitmacht nach Süden wandte, konnte die Belagerung von Yorktown beginnen, wo die Engländer sich verschanzt hatten. Steuben als der einzige Offizier mit genauer Kenntnis der Belagerungstechnik hatte den Befehl über das Zentrum der Belagerungsarmee und zog nach der englischen Kapitulation am 19. Oktober 1781 als erster in die Festung ein. Die Offiziere der beiden New Yorker Regimenter drückten ihm bei der Auflösung ihrer Truppen im Juni 1783 ihre "innige Hochachtung und Verehrung" aus: "Die großen und ausgezeichneten Dienste, welche Sie unserm Vaterlande geleistet haben, müssen jedem Bürger von Amerika die Gefühle der Dankbarkeit und Liebe einflößen. Unsere Gefühle sind aber anderer Natur. Ihre unablässigen Bemühungen, das Elend der Armee zu erleichtern und die Art und Weise, wie Sie alle Entbehrungen mit uns geteilt haben, geben Ihnen mehr als einen gewöhnlichen Anspruch auf den Namen eines Freundes. Wir haben Sie lange schon als unsern 'militärischen Vater' verehrt." Washington dankte in seinem letzten Brief als Oberbefehlshaber am 23. Dezember 1783 Steuben "für Ihre dem Lande geleisteten treuen und ausgezeichneten Dienste" und lud ihn als Gast auf sein Gut am Potomac ein, "wo ich mich glücklich schätzen werde, Sie zu umarmen und Ihnen meine große Achtung und Anerkennung zu bezeugen."
Präsident der „Deutschen Gesellschaft“
Im Frieden organisierte Steuben Maßnahmen zur Landesverteidgung und gründete die Militärakademie West Point am Hudson. Dennoch wurde seine Bewerbung um das Amt des Kriegsministers abgelehnt; darüber gekränkt, reichte er im März 1784 seinen Abschied ein. Der Kongreß schenkte ihm einen goldenen Degen; einige Staaten ernannten ihn zum Ehrenbürger und vermachten ihm Ländereien. Doch erst nach sieben entbehrungsreichen Jahren begann der Kongreß mit der Auszahlung des ihm zugesicherten Gehalts und sicherte ihm eine Leibrente zu. In geselligen Kreisen war der privatisierende Militär ein gern gesehener Gast, und bei den Deutschen in New York genoß er großes Ansehen. Die 1785 gegründete "Deutsche Gesellschaft", die sich um das Wohl deutscher Einwanderer kümmerte, unterstützte er als aktives Mitglied und Förderer und hatte das Präsidentenamt bis zu seinem Tode inne. Am 28. November 1794 erlag er einem Schlaganfall und wurde - auf eigenen Wunsch ohne jedes Zeremoniell - im Walde bei seinem Landsitz in Utica begraben. Sein Denkmal steht in Washington; ein Duplikat dieses Monuments wurde von der amerikanischen Regierung 1911 der Stadt Potsdam geschenkt. Dem Andenken an den heute in den USA fast Unbekannten ist in New York die jährliche Steuben-Parade deutschamerikanischer Klubs gewidmet.
Wie Familie von Küster ins Riesengebirge zurückkehrte
Glück, Zufall, Abenteuerlust, ein gutes Händchen, jede Menge Mut und viel "warum nicht? das schaffen wir". Dazu Liebe, Freundschaft und jene natürliche Offenheit, deren Charme niemand widerstehen kann. All das kam zusammen, in einer Zeit des Umbruchs, der Anfänge, der Wieder- und der Neuentdeckungen, als Elisabeth und Ulrich von Küster voller Euphorie ihren Traum begannen. Die Mauer war gerade gefallen, beide studierten Jura, lebten in einer Studenten-WG in Berlin-Moabit. "Wie wir damals wohnten, Toilette halbe Treppe tiefer, wo es nur Kerzenlicht gab, Eiseskälte im Winter!", erinnert sich die in Potsdam gebürtige heutige Chefin von Schloss Lomnitz. Die Neunziger brachen an, alles war anders als zuvor, man bereiste Osteuropa, war risikobereit und in Goldgräberstimmung. "Moment mal, Polen, Schlesien, da haben wir doch alten Familienbesitz", sagte Ulrich von Küster zu seiner künftigen Frau, die nicht wissen konnte, dass er nicht nur einen Bauernhof im Niemandsland meinte. Sondern ein Schloss, ein herrschaftliches Anwesen in einem der lieblichsten Täler Schlesiens, am Rande des Riesengebirges. "Schneekoppe? Liegt die nicht irgendwo im Schwarzwald?", dachte Elisabeth damals. Und ahnte nicht, das dies alles einst der Stolz ihrer eigenen Familie sein würde. Denn heute ist Schloss Lomnitz Kulturstätte, Hotel, ein wiederbelebter schlesischer Adelsbesitz, Tagungsstätte, Museum, Veranstaltungs- und Ausstellungsort sowie Wohnsitz der Familie von Küster in einem. Und weithin berühmt durch Wanderausstellungen übers Hirschberger Tal oder Filme über Schlesien mit seinen Reizen, seiner Vergangenheit und Zukunft. Eine wilde, romantische Fahrt in dieses Schlesien war es, die Ulrich von Küster, seine Freundin und sein Bruder damals in einem 1956er VW Käfer Cabriolet unternahmen. Eine Reise ins polnische Nachbarland. "Es wurde mystisch, immer schöner und verwunschener, es fuhren keine Autos, Kinder spielten an den Rändern leerer Straßen, und die Landschaft verwandelte sich in ein Atlantis mit dem Geist Rübezahl", schwärmt Elisabeth von Küster noch heute.
Vor dem Abriss gerettet
Das Schloss Lomnitz, im Barock erbaut und 1835, als es der preußische Legationsrat Gustav Ernst von Küster erwarb, vom Schinkel-Schüler Albert Tollberg im Biedermeierstil umgestaltet, war einzigartig – und Ruine. Als die drei Deutschen in dem Dörfchen Lomnice ankamen, hatte das Schloss keine gute Zeit hinter sich. 1945 waren die letzten Besitzer von Küster geflohen, die Gutsherrin verließ den Ort gen Westen nach Deutschland, wurde enteignet und das Anwesen polnisches Eigentum. Eine Schule im Herrenhaus, eine landwirtschaftliche Genossenschaft im kleineren, Witwenschloss genannten Haus von 1800, verfielen die wertvollen Gebäude nach dem polnischen Kriegszustand 1981, ohne dass sich jemand darum sorgte oder es instandhalten konnte. Das Denkmalamt hatte den Abriss schon beschlossen. Bäume wuchsen aus den Fenstern und vom Boden bis durchs Dach, das nur noch zur Hälfte das Haus bedeckte. "Die Balkone hielten zusammen wie ein Haufen Mikadostäbe", sagt Elisabeth von Küster, "alles lag voller Schutt". Görlitz kannten sie längst vom Durchfahren, und als die Stadtwerke einen Justiziar suchten, war für Ulrich von Küster klar, er würde ab nun zwischen der Stadt an der Neiße, Berlin, wo Elisabeth ja noch studierte, und Lomnitz pendeln. Einen polnischen Freund gab es, "mit dem gründeten wir die deutsch-polnische Schloss Lomnitz Gesellschaft, um auch als Ausländer Grund und Boden kaufen zu können", erzählt Elisabeth von Küster. "Dafür brauchte man damals ein nur kleines Startkapital, selbst für mittellose Studenten aufzubringen, wenn man etwas sparte oder sein Auto verkaufte." 1991 konnten sie das große Schloss erwerben, denn die polnischen Behörden waren an deutschen Investoren und der Rettung von Architekturdenkmälern interessiert.
Zementsack als Geschenk
Alle paar Wochen, dann immer häufiger, schließlich jedes Wochenende fuhr Elisabeth von Küster nach Lomnitz. "Trotz Sprachbarriere, Geldmangel und ohne Telefon fingen wir ganz langsam an. Ziel war, das Schloss unter Dach und Fach zu bringen." Sehr amüsiert und voller Sympathie spricht sie von den ersten Annäherungsversuchen zwischen den polnischen Bewohnern des Ortes und ihnen, den wiedergekehrten neuen Besitzern, die so gar nicht als reiche, bornierte Investoren mit großen Plänen auftraten. "Ich fühlte mich da so wohl, weil es ähnlich chaotisch war wie unser eigenes Leben", sagt Elisabeth von Küster. Vier Jahre später war es dann so weit. Als 1995 ein neuer Dachstuhl das Schloss krönte, waren die Küsters schon verheiratet, eine unsanierte, damals unglaublich preiswerte Riesenwohnung in der Görlitzer Südstadt diente als Zwischenlager für alles, was man zur Ausstattung des Schlosses verwenden konnte. "Und wollte uns damals jemand etwas schenken, sagten wir immer, gebt uns einen Sack Zement oder eine Ladung Ziegel", erzählt Elisabeth von Küster, "wir bekamen Hilfe von allen Seiten, unseren Eltern, Freunden, Verwandten." Görlitz war inzwischen Hauptwohnort, Ulrich von Küster wurde Richter, seine Frau studierte noch immer in Berlin, tauchte dennoch immer mehr in Lomnitz ein. Unterstützung bekam sie vom Verein zur Pflege schlesischer Kunst und Kultur. Auch private Spenden kamen, und das Anwesen gedieh. Hotel und Restaurant sollte das kleine "Witwenschloss" werden, die in Görlitz eingelagerten Stühle und Tische bekamen nun endlich eine Funktion. "Ganz klein, mit selbst gebackenem Streuselkuchen und Kaffee aus vier Kaffeemaschinen fingen wir an", erzählt Elisabeth von Küster. Ein paar junge Frauen aus dem Ort stellte sie an, einen polnischen Geschäftsführer gab es auch, doch das meiste nahm die junge Schlossherrin selbst in die Hand.
Privat klappt’s am besten
Kontakte waren schnell geknüpft, und mit der ersten großen Ausstellung zum wiederentdeckten Hirschberger Tal, dem "Tal der Schlösser und Gärten" im "Schlesischen Elysium" war ein Anfang gemacht. Und immer noch war alles sehr persönlich. Elisabeth von Küster lud das ganze Dorf zur Eröffnung ein, schenkte bei minus 25 Grad Glühwein aus und vergewisserte sich wieder einmal ihrer Überzeugung: "Das deutsch-polnische Verhältnis klappt auf privater Ebene am allerbesten." Sie bewundert, wie leicht sich Konflikte, gleich welcher Art, innerhalb von zwei, drei Minuten klären ließen, und ein beliebtes, schon traditionelles Ereignis ist ihr "Kleines Osterfest", zu dem sie immer einen Sonntag nach Ostern alle einlädt, die in Gutsnähe wohnen. Der Park rundherum, "eine Mülldeponie, als wir hier anfingen", erblüht inzwischen zu einem Landschaftsgarten, das große Schloss ist ausgestattet mit historischen Wandmalereien und antiken Möbeln. In der ersten Etage ist die Ausstellung "Tal der Schlösser und Gärten" dauerhaft etabliert, und Konferenzen, Seminare und Konzerte finden hier statt. Das Hotel beschäftigt fast 30 Leute, und der Gutshof, nun auch im Besitz der von Küsters, soll in Zukunft als lebendiger Bauernhof Groß und Klein nach Lomnitz locken.
Ines Eifler
Franz Xaver Mitterer, Hans Steinacher und Karl Götz – drei Väter der deutschen Volkstumsarbeit<//font>
Von Dr. Rolf Sauerzapf
Bismarck erklärte nach 1871 das Deutsche Reich für „saturiert“. Die Habsburger Monarchie dagegen war nach der Niederlage von 1866 und ihrem Ausscheiden aus dem Deutschen Bund wesentlich geschwächt. Das deutsche Element verlor an Einfluß und Gewicht. Das machte sich vor allem an den Sprachgrenzen deutlich bemerkbar. Die österreichische Verwaltung sah dieser Entwicklung teils gleichgültig, teils ohnmächtig zu. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die Anfänge einer deutschen, nicht vom Staat getragenen Schutzarbeit an eine Nahtstelle zwischen deutschem und italienischem Volkstum führen, nach Südtirol.
Auf dem Höhenzug des Nonsbergs, der das Etschtal nach Westen hin abschließt, liegen noch vier deutsche Gemeinden: Unsere liebe Frau im Wald, St. Felix, Laurein und Proveis. Heute gehören diese Dörfer, die sogenannte „Deutschgegend“, zur Provinz Bozen und sind verkehrsmäßig gut erschlossen. Im 19. Jahrhundert dagegen konnten sie vom Etschtal aus nur auf Saumpfaden erreicht werden. Viel leichter zugänglich waren sie jedoch aus den italienischen Nachbarorten. Die vier deutschen Dörfer wurden vom Mittelpunktsort Cles aus verwaltet. Sie gehörten – auch kirchlich – zur Provinz Trient, bis zum Ende des 1. Weltkriegs als „Welschtirol“ Teil der Habsburger Monarchie. 300 Jahre früher war das „Trentino“ noch gemischtsprachig gewesen, bis hinunter nach Verona. Doch seither befand sich die deutsche Sprache mehr und mehr auf dem Rückzug. Für die vier deutschen Gemeinden auf dem Nonsberg bedeutete dies: Alle amtlichen Verlautbarungen erschienen in italienischer Sprache, die die deutschen Bauern kaum verstanden. Die Sprache in Kirche und Schule war ebenfalls Italienisch.
Ein Wandel trat erst ein, als Franz Xaver Mitterer 1856 als Pfarrer (Kurat) nach Proveis berufen wurde. Der begabte Sohn einer Laureiner Bauernfamilie, 1824 geboren, hatte seine Ausbildung in Meran und Trient erhalten. Zunächst versuchte er, die armseligen wirtschaftlichen Verhältnisse in seiner Gemeinde zu verbessern, durch Gründung von Sägemühlen und Kalköfen, später dann auch durch Gründung einer Spitzenklöppel- und Korbflechterschule. Entscheidend war jedoch die Begegnung mit dem Frankfurter Arzt Dr. August Lotz, der sich schon eine Reihe deutscher Siedlungsgebiete im Ausland erwandert hatte und von der Notwendigkeit einer Unterstützung der Deutschen dort überzeugt war. Mitterer schilderte seinem Gast ungeschminkt die bedrängte Lage der deutschen Sprache in Proveis. Dr. Lotz fasste seine Erfahrungen auf dem Nonsberg 1880 in einer kleinen Schrift zusammen mit dem Titel „Aus den Bergen an der deutschen Sprachgrenze in Südtirol“, in der er das Wirken Mitterers und sein Bemühen um den Bau eines Schulhauses hervorhob. Diese Schrift gelangte auch nach Wien und in die Hände des späteren Mitbegründers der SPÖ, Engelbert Pernersdorfer. Im „Deutschen Verein“, zu dessen Vorstand er gehörte, berichtete er am 13. Mai 1880 von Pfarrer Mitterer und seiner Bitte um finanzielle Unterstützung beim Bau eines Schulhauses. Sein Vorschlag, gemeinsam die nötige Summe aufzubringen, wurde spontan aufgegriffen und eine Vereinigung - der „Deutsche Schulverein“ - gegründet. Pfarrer Mitterer erhielt 2.000 Gulden für den Schulhausbau, die vier deutschen Gemeinden Geld zur Anschaffung von Schulmaterial.
Die Gründung des „Deutschen Schulvereins“ wirkte gewissermaßen als Initialzündung.
Es folgten - 1881 die Gründung des „Allgemeinen deutschen Schulvereins“ in Berlin (vor allem zur Betreuung der Deutschen in Ungarn und Siebenbürgen; 1908 in „Verein für das Deutschtum im Ausland - VDA“ umbenannt)
- 1882 die Gründung des „Deutschschweizer Schulvereins“ in Zürich
- 1889 die Gründung des Vereins „Südmark“ in Graz (zur Betreuung der Deutschen in der Untersteiermark und Krain)
- 1917 die Gründung des "Deutschen Instituts" Stuttgart
Besonders erfolgreich war eine Sammlung, zu der Peter Rosegger aufgerufen hatte. Begüterte Deutsche sollten je 2.000 Kronen zugunsten des „Schulvereins“ spenden. Er selbst machte den Anfang. Bis zu Roseggers 70. Geburtstag im Jahr 1913 kamen 3 Millionen Kronen zusammen, die im Bau von Schulen und Kindergärten an der Sprachgrenze angelegt wurden. Der steirische Volksdichter war 1913 zum Nobelpreis vorgeschlagen, erhielt ihn aber nicht, da tschechische Politiker Einspruch erhoben. Der Katholik Rosegger stiftete auch die evangelische Kirche in Mürzzuschlag. Viel Eigenleistung der Gemeinde und zusätzliche Spenden trugen dazu bei, dass das Schulhaus in Proveis im August 1882 eingeweiht werden konnte, mit zwei Schulräumen, zwei Lehrerwohnungen, einer Schulküche und einer Gemeindekanzlei.
Für seine herausragenden Leistungen im Bereich der Seelsorge sowie der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung der Gemeinde Proveis wurde Pfarrer Mitterer 1895 mit dem Ritterkreuz des Franz-Josef-Ordens ausgezeichnet. Der Fürstbischof von Trient sah dagegen von jeder Auszeichnung ab mit der Begründung, Mitterer habe auch von protestantischer Seite Spenden angenommen. Franz Xaver Mitterer starb, hoch geachtet, im November 1899. Sein Grab ist noch heute auf dem Friedhof in Proveis zu finden.
Hans Steinacher wurde 1892 als Sohn eines Bergmanns in Bleiberg/Kärnten geboren. Nach seiner Ausbildung im Evangelischen Lehrerseminar in Bielitz/Ostschlesien war er Lehrer in Meran. Zu Beginn des 1. Weltkrieges meldete er sich freiwillig beim traditionsreichen 7. k.u.k. Infanterieregiment. In vielen Schlachten zeichnete er sich durch Mut und rasche Entschlusskraft aus. Als hoch dekorierter Oberstleutnant erlebte er im November 1918 den Zusammenbruch des Habsburger Reiches. Als das neu entstehende jugoslawische Königreich nach Kärnten griff, um „Fakten zu schaffen“, stellte er sich dem Kampf um seine Heimat, an dessen Ende er schwer verwundet wurde. Am Abstimmungssieg im Oktober 1920 zugunsten Österreichs hatte Steinacher hervorragenden Anteil. Danach setzte er seine Erfahrungen bei den Volksabstimmungen in Oberschlesien und im Burgenland ein, auch im Kampf gegen Separatisten an Rhein und Ruhr. Sein volkswirtschaftliches Studium in Frankfurt/Main schloss er mit der Promotion ab und war zunächst Angestellter des preußischen Innenministeriums, dann Leiter der Zentralstelle für deutsche Auslandsbüchereien und jüngstes Mitglied im Hauptvorstand des VDA.
Nach der Machtergreifung 1933 drohte dem VDA – wie vielen anderen Vereinigungen – die Gleichschaltung durch die NSDAP. Um diese abzuwenden und die traditionell überparteiliche und überstaatliche Stellung des VDA zu bewahren, wurde in einer dramatischen Sitzung am 30. April 1933 der allerseits anerkannte Hans Steinacher zum neuen „Bundesleiter“ gewählt. Dieser ging sofort daran, den VDA neu zu ordnen und vor allem die Jugend anzusprechen. Einen gewissen Freiraum erhielt der Verein, nun „Volksbund für das Deutschtum im Ausland“ genannt, durch einen Brief von Rudolf Heß. Der „Stellvertreter des Führers“, der selbst Auslandsdeutscher und Schüler des weltbekannten Geopolitikers Karl Haushofer war, betonte, er schätze die Arbeit des VDA besonders hoch ein. Die Wirkungsmöglichkeit des Verbandes sei um so größer, wenn er sich nach wie vor freihalten könne von Einflüssen des offiziellen Deutschlands. Mit seiner Gegenüberstellung von „étatistischem“ und „volklischem“ Denken zur Definition des Volksbegriffs wurde Steinacher gewissermaßen der „Chefideologe“ des VDA. In Anlehnung an Herder galt für ihn der Grundsatz „Jedes Volk ist Volk.“.
Im Laufe der Zeit kam es immer häufiger zu Angriffen auf den VDA. Die Hitlerjugend bekämpfte die VDA-Schulgruppen, die „Auslandsorganisation“ des Gauleiters Bohle (ursprünglich für die Betreuung reichsdeutscher Bürger im Ausland gedacht) wollte die Arbeit des VDA in Übersee an sich ziehen. Das „Hitler-Mussolini-Abkommen“ vom September 1937 war der äußere Anlass für Steinachers Sturz. Mussolini räumte Hitler in Österreich und der Tschechoslowakei völlig freie Hand ein. Als Gegenleistung verlangte er freie Hand für die Italienisierung Südtirols, verbunden mit der Möglichkeit einer Option für Deutschland und Aussiedlung dorthin. Jegliche Unterstützung Südtirols habe von nun an zu unterbleiben. Steinacher wehrte sich nachdrücklich gegen die Pläne und sprach von „Volksverrat“. Dies bot seinen Gegnern die willkommene Gelegenheit, ihn von seinem Amt „zu beurlauben“, zumal auch Mussolini „seinen Kopf gefordert“ hatte. Alle Versuche einer Rechtfertigung waren vergeblich, auch die Unterstützung vieler Freunde im In- und Ausland. Der VDA blieb nach außen hin erhalten, wurde aber in Wirklichkeit in die „Volksdeutsche Mittelstelle“ eingegliedert, die vom Herbst 1939 an die großen „Heim-ins-Reich-Aktionen“ durchführte. Im 2. Weltkrieg kämpfte Steinacher als Gebirgsjäger-Offizier an der finnischen Front. In der Nachkriegszeit kehrte er auf seinen Besitz in Kärnten, den Miklauzhof, zurück. 1953-57 war er österreichischer Konsul in Mailand. Im Jahr 1971 starb Hans Steinacher in Völkermarkt.
Karl Götz (1903-1989) wurde am 11. März 1903 in Bolheim geboren. Sein Vater, ein Schlossermeister, starb früh, so dass seine Mutter als Fabrikarbeiterin ihr Brot verdienen musste. Nach Abschluss seiner Ausbildung am Lehrerseminar Künzelsau während der Inflationszeit konnte er - wie alle seine Kollegen - , nicht angestellt werden. Deshalb arbeitete er im amerikanischen Philadelphia als Weber. An Abenden und Sonntagen besuchte er häufig die Bibliothek im „Deutschen Haus“. Anhand von Akten, Briefen und Zeitungsberichten machte er sich viele Notizen über schwäbische Auswanderer und andere deutsche Landsleute.
1928 ging Karl Götz für fünf Jahre als Lehrer nach Palästina, in die schwäbische Kolonie Bethlehem in Galiläa hinter dem Berg Karmel. Mitglieder der „Templer“, einer Religionsgemeinschaft, die sich von der offiziellen Kirche getrennt hatte, waren in der Mitte des 19. Jahrhunderts an aus Württemberg ins Heilige Land ausgewandert und hatten in dem unter türkischer Oberhoheit stehenden Gebiet um Haifa und Jaffa mehrere blühende Siedlungen gegründet. Bei einem Blick vom Berg Karmel auf Haifa fällt noch heute die schnurgerade schwäbische Straße ins Auge. Zu Beginn des 2. Weltkriegs mussten die schwäbischen „Templer“ Palästina verlassen. Der Großteil wanderte nach Australien aus. 1930 fuhr Karl Götz mit seinen „Achtklässlern“ auf einem Frachtschiff nach Hamburg, um den Schülern Deutschland, vor allem aber die schwäbische Heimat ihrer Eltern oder Großeltern zu zeigen. Die Erlebnisse und Erfahrungen dieser Reise fasste er in seinem ersten Buch „Das Kinderschiff“ zusammen.
Nach seiner Rückkehr in die Heimat wurde Karl Götz Lehrer an einer Mädchenschule in Stuttgart und Mitarbeiter der Forschungsstelle ‚Schwaben im Ausland’ im „Deutschen Auslandsinstitut“. Dazu kamen Reisen nach Amerika und zu den Donauschwaben.
Der 2. Weltkrieg führte Karl Götz zunächst ins Gebiet Odessa mit seinen zahlreichen deutschen Dörfern. 1941 wurde er mit dem Aufbau eines Lehrerinnenseminars in Prischib im Gouvernement Taurien beauftragt. Als die Rote Armee gegen die Ukraine vorrückte, ging er mit den Schülerinnen auf die Flucht und brachte die Mädchen schließlich in einem Dorf in der Nähe von Nördlingen unter.
Drei Jahre nach Kriegsende konnte Karl Götz wieder an seiner alten Schule in Stuttgart unterrichten. Daneben hielt er Vorträge, schrieb für den „Schwäbischen Heimatkalender“, für die Zeitschriften des „Schwäbischen Albvereins“ und des „Schwäbischen Heimatbunds“. Nicht zuletzt verfasste er mehrere Bücher. Sein wahrscheinlich eindrucksvollstes Buch ist „Brüder über Land und Meer“. Es ist ihm gelungen, von der Heimat hier zur Heimat draußen eine Brücke zu schlagen. Mit Fug und Recht verdient er den Ehrentitel eines „Botengängers“. Karl Götz starb am 9. Februar 1989 und ist in Stetten im Remstal begraben.
Der Beitrag ist die gekürzte Form eines Vortrages, den Herr Dr. Rolf Sauerzapf vor dem VDA-Arbeitskreis Stuttgart gehalten hat.
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