|
Liebe Leserin, lieber Leser!
Brauchen wir Denkmale? Es zeigt sich wieder einmal, wie praktisch doch unsere deutsche Sprache ist, die in die Frage bereits die Antwort legt: „Denk mal!“
Was unterscheidet ein Baudenkmal von einem gewöhnlichen Bauwerk? Viele unserer heutigen Denkmale wurden erst Jahrhunderte nach ihrer Erbauung dazu erklärt, nachdem sie als Zeugen einer versunkenen Alltagskultur, einer vergangenen Stilepoche oder als kühnes Werk der Ingenieurskunst als erhaltenswert eingestuft wurden. Andere werden bereits von vornherein zu dem Zweck errichtet, um die Leistungen und Werte, Ideologien oder Herrschaftsverhältnisse, Siege oder Opfer ihrer Erbauer zu würdigen. Doch Denkmale halten den Lauf der Welt nicht auf. Sie sind nicht für die Ewigkeit, wie es mancher hofft und mancher fürchtet. Nur wenn sich die lebende Generation darum kümmert und die nachkommende dafür gewinnt, bleiben Denkmale überhaupt erhalten. Ansonsten werden die Sockel abgeräumt, die Monumente verschrottet, sobald man überwunden glaubt, wofür sie einst standen. Oder sie geraten einfach in Vergessenheit, verfallen und werden von der Natur überwuchert.
Dies ist der entscheidende Punkt: Denkmale wenden sich an die Menschen, und zwar an uns, die gegenwärtige Generation, als Zeugen einer von uns nicht mehr beeinflussbaren Vergangenheit – unabhängig davon, ob wir derer mit Stolz oder Trauer gedenken dürfen oder müssen. Unsere Aufgabe ist es vielmehr, die Gegenwart verantwortungsbewusst zu gestalten und den Nachkommenden ein Erbe weiterzugeben, das sie freudig annehmen können, das ihnen Frucht bringen wird und sie nicht in Abgründe zu ziehen droht.
Denkmalen von überragendem symbolischem oder kunsthistorischem Wert werden zu runden Jubiläen Erinnerungsfeiern ausgerichtet. In der namibischen Hauptstadt Windhuk wurde am 27. Januar 2012 in einer feierlichen Zeremonie der Enthüllung des „Südwester Reiters“ 100 Jahre zuvor gedacht.
Wir erinnern auch an die Freiheitsstatue in New York, die sich seit nunmehr über 125 Jahren Millionen von Einwanderern als Hoffnungssymbol eingeprägt hat. Ein Wahrzeichen ganz anderer Art können Sie im Elsass entdecken, dem kleinen Dorf Pechelbronn, das einst zum Ausgangspunkt der weltweiten Erdölindustrie wurde. Inzwischen, viele Jahrzehnte später, wandelt sich auch Industriekultur zur Denkmalkultur. Einem kleinen Kreis engagierter Freunde und Förderer ist es zu danken, dass diese Zeugen eines blühenden und doch vergänglichen Wirtschaftszweigs lebendig erhalten bleiben.
Wenn Sie dieses Heft durchblättern, werden Ihnen – manchmal ganz beiläufig und dennoch absichtlich – verschiedenste Denkmale begegnen: Seien es die kolonialen Hafenanlagen von Lomé in Togo, die auch für wirtschaftlichen Aufschwung stehen, seien es die Geisterstädte des früheren Diamantenfiebers in Namibia, die sich die Wüste unwiderruflich zurückholen wird, sei es das italienische Siegesdenkmal in Bozen, an dem sich die ungelöste Südtirolfrage leicht entzündet.
Lassen Sie sich anregen zu vergnüglichen oder ernsten, in jedem Fall aber denkwürdigen Entdeckungen.
Dr. Wolfgang Betz
Stellv. Bundesvorsitzender des VDA
Inhalt
Ein Wort voraus
Denkmalkultur - Der "Reiter von Südwest"
- 125 Jahre Freiheitsstatue in New York - Erinnerung an Ludwig (Larry) Stein
Jugend - VDA-Briefmarkentauschbörse
Jugendaustausch - Austauschschüler machen Schule
Brasilien - Bei den Deutschen in Teófilo Otoni
VDA-Fotowettbewerb - "Ferne Kunde bringt Dir der schwankende Fels"
Südtirol - Die Südtiroler Schützen - ein überparteiliches politisches Gewissen des Landes
Industriekultur - Die Wege der weltweiten Erdölindustrie im Elsass
Geschichtliches Lebenswege - Rafael Frank - Der südliche Honorarkonsul der Welt
Für Sie gelesen - Die wolgadeutsche Tragödie
- Oberschlesische Perspektiven
- Einbemerkenswerter Überlebensbeweis
- Diamanten-Erinnerungen
Rund um den Globus - Deutsche Überreste in Togo: Die Landungsbrücke von Lomé
Deutsche Sprache - Aufruf des Deutsch-Kanadischen Kongress an die Freunde der deutschen Sprache!
Briefe an die Redaktion
Bundesverband Aus den Landesverbänden
Zu guter Letzt
Verein

|